Historie

Der älteste Beweis für die Existenz von Pfeil und Bogen

Coro-Magnon-Mensch-bei-der-Bogenjagd-248x300ist zehn- bis elftausend Jahre alt. Es handelt sich dabei um eine Anzahl von Pfeilfragmenten, die zu den Hinterlassenschaften von Rentierjägern gehörten und die am Fundplatz Stellmoor nördlich von Hamburg ausgegraben wurden. Die Pfeile wurden aus Kiefernspaltholz hergestellt und besaßen aufgesteckte, mit Feuersteinspitzen bewehrte Vorschäfte. Die aufwändige Machart der Pfeile und einige Relikte aus älterer Zeit, die allerdings verschieden interpretiert werden, lassen vermuten, dass Pfeil und Bogen zu dieser Zeit schon eine gewisse Entwicklung durchgemacht hatten und diese Funde nicht den Anfang markieren. Der älteste Fund, der sich sicher als Bogen identifizieren lässt, stammt aus dem Holmegaard-Moor in Dänemark und ist ca. 8000 Jahre alt. In Europa ist spätestens seit diesem Zeitpunkt die Verwendung von Pfeil und Bogen über z.B. „Ötzi“ und den Keltenfürsten von Hochdorf bis in die Neuzeit belegt.
Ohne dass man den Ausgangsort der Erfindung des Bogens bestimmen könnte, fand er schon in vorgeschichtlicher Zeit seinen Weg in die gesamte von Menschen bewohnte Welt, außer in den australischen Kulturkreis.
Im Laufe der Zeit bildeten sich eine kaum überschaubare Anzahl von Bogen-, Pfeil- und Spitzentypen heraus, abhängig von den vorhandenen Ressourcen, klimatischen Verhältnissen und dem Einsatzzweck. Dabei reicht die Bandbreite der Entwicklungen von den einteiligen Holzbögen mit „normal“ langen Pfeilen, wie wir sie auch aus Europa kennen, über ebenfalls einteilige Bögen, aber mit extrem langen, fast speerähnlichen Pfeilen der Waldindianer Südamerikas für die Jagd im dichtesten Dschungel, bis zu den aus Treibholz, Knochen oder Fischbein und Sehnen gebundenen Bögen der Inuit. Über die höchst aufwändig hergestellten Kompositbögen aus Holz, Horn und Sehnen der Reitervölker Asiens, die mit diesen oft kurzen Bögen über mehrere Jahrtausende eine sehr effektive Waffe hatten, die sich gut vom Pferderücken aus führen ließ, bis zu einem anderen Extrem, den verhältnismäßig schwachen und kurzen Bögen der Buschleute in der Kalahari. Eine erstaunliche Änderung in der Bogentechnologie kann man bei nordamerikanischen Prärie-Indianern beobachten. Bevor diese beritten waren, verwendeten sie lange Holzbögen bei der Bisonjagd. Mit dem Pferd war es ihnen möglich, sehr nahe an die Büffel heranzureiten und diese mit extrem kurzen, aber starken Holz/Sehnen- oder Horn/Sehnenbögen zu erlegen.
Regelmäßig findet man, zumindest in geschichtlicher Zeit, bei bogenschießenden Völkern eine Unterscheidung in der Ausrüstung, je nachdem ob sie für jagdliche, und da auf welches Wild, oder für kämpferische Zwecke eingesetzt wurde. Üblicherweise wurden für den kriegerischen Einsatz stärkere Bögen als bei der Jagd bevorzugt, um den Gegner auf größere Entfernung mit einem Pfeilhagel überschütten zu können. Ein bekanntes Beispiel für den Bogen als Kriegswaffe stellt der englische Langbogen dar, der bis ins 17. Jahrhundert eingesetzt wurde.

Dagegen handelt es sich bei der Jagd

normalerweise um einen gut platzierten Einzelschuss auf deutlich kürzere Entfernung. Um diese jagdliche Schussentfernung zu erreichen, bedurfte es der Fähigkeit, dem Wild nahe genug zu kommen. Diese Fähigkeit zur Annäherung an jagdbares Wild gilt auch heute noch als ein wesentliches Merkmal der Jagd mit Pfeil und Bogen.
Im kontinentalen Europa und speziell bei uns in Deutschland hat der Bogen aber schon im Mittelalter an Bedeutung verloren; er wurde von der Armbrust abgelöst, die einen nicht so hohen Trainigsaufwand erforderte, dafür aber eine deutlich niedrigere Schussfrequenz aufwies. Die Armbrust gehörte vor allem auch zur Bewaffnung der Bürgerwehren der aufstrebenden Städte, und viele der alten heutigen Schützenvereine haben bei diesen Milizen ihren Ursprung.
Das Bogenschießen blieb zwar bekannt und gehörte noch lange Zeit zur Ausbildung des Adels. So ist Kaiser Maximilian I. (15. / 16. Jahrhundert) im „Weißkunig“ mehrfach als jagdlicher Bogenschütze abgebildet. Zu der Zeit wurde der Bogen vor allem zur Jagd auf Federwild eingesetzt. Allerdings verstand man lange Zeit, vom Mittelalter bis zum Ende der Feudaljagd in Deutschland 1848, unter Jagd in erster Linie die „Hohe Jagd“ des Hochadels auf „Hochwild“ (= alles Schalenwild außer Rehwild, Auerwild, Stein- und Seeadler; alles andere ist Niederwild), die in erster Linie als Parforce-Jagd mit Hundemeute und zu Pferd durchgeführt wurde. Dabei wurde das Wild irgendwann gestellt und mit der Kalten Waffe abgefangen. Daher benötigte man für diese Jagd keine Distanzwaffen wie Pfeil und Bogen. Da dem gemeinen Volk die Jagd sowieso verboten war und, wenn sie als Wilderei ausgeübt wurde, sich wohl eher auf die Fallenstellerei beschränkte, war eine Tradition des Bogenschießens bei uns nicht mehr vorhanden, als nach 1848 auch Nichtadelige die Jagd ausüben durften.
Dass bei uns die Kenntnis des Bogenschießens nicht über den Flitzebogen für Kinder hinausreichte, klingt schon bei Dr. Gustav Klemm ( „Die Werkzeuge und Waffen – Ihre Entstehung und Ausbildung“, Verlag G. Reuse 1858) an, der vormalige Direktor des Völkerkundemuseums in Leipzig Prof. Dr. Karl Weule bedauerte es 1910 zutiefst („Kulturelemente der Menschheit“, Kosmos, Franckh´sche Verlagshandlung 1910).

Das jagdliche Bogenschießen

wurde bei uns erst wieder seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bekannt und immer beliebter, vor allem durch den Einfluss von hier stationierten US-Amerikanern und Kanadiern.
In Nordamerika wurden durch die Veröffentlichungen der Bogenjagd-Protagonisten Will und Maurice Thompson in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts („Witchery of Archery“, 1878) viele ihrer Landsleute dazu animiert, Pfeil und Bogen als Sport- und Jagdwaffe neu zu entdecken.
In Amerika entstand die Situation, dass sich europäische, angelsächsische Traditionen und Techniken mit noch ungebrochenen indianischen mischen und ergänzen konnten. Besonderen Anteil daran hatten Dr. Saxton Pope und Arthur Young, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts um den letzten Überlebenden des Stammes der Yana kümmerten. Ishi tauchte 1911 in Oroville/Kalifornien auf, als niemand mehr glaubte, dass in dieser Gegend noch „wilde“ Indianer lebten. Bevor er 1916 an Tuberkulose starb, konnte er Pope und Young sein jagdliches Können mit Pfeil und Bogen demonstrieren und sie anleiten. 1923 erschien von Dr. Saxton Pope das Buch „Hunting with the Bow and Arrow“ (Jagen mit Pfeil und Bogen), welches einen Meilenstein in der Geschichte der neuzeitlichen Bogenjagd darstellt.
In den dreißiger und vierziger Jahren, waren es Männer wie Fred Bear, Ben Pearson und Howard Hill, die die Legalisierung der Bogenjagd voran trieben. Ein Bundesstaat um den anderen führte eine Jagdsaison für die Bogenjagd ein. Es entstanden publikumswirksame Spots und Filme, so wurde die Bogenjagd immer populärer.

Auch blieb die Entwicklung nicht stehen.

Ende der 40er Jahre entwickelte Frank Eichholtz den glasfiberbelegten, laminierten Recurvebogen. Nun waren Bögen industriell und preiswert herzustellen. Die beginnende Freizeitkultur in den 50er Jahren tat ein übriges.
Einen Quantensprung machte die Bogenjagd durch die Entwicklung des Compoundbogens. Holles Allen entwickelte einen Bogen, bei dem die Sehne über exzentrische Rollen lief. Die Reduktion des zu haltenden Zuggewichts eröffnete vielen den Zugang zur Bogenjagd. Die Verbesserung von Pfeilen, Visieren und mechanischen Ablassvorrichtungen rundeten in den 70er und 80er Jahren das Bild ab.
Werbesprüche wie „Sei ein zwei Saisonjäger“ zielten auf die Gewehrjäger in den USA ab und verfehlten ihre Wirkung nicht. Hier ist der technische Fortschritt noch nicht abgeschlossen. Zu jeder Welle gibt es eine Gegenströmung. War Anfang der 80er
Jahre die trad. Ausrüstung mit Recurve- und Langbogen fast verschwunden, findet in den letzten Jahren die Jagd mit dieser Art Equipment eine ständig wachsende Anhängerschaft.
Die Entwicklung in Deutschland begann über den Kontakt zu bogenjagenden Amerikanern. Zwar gab es in den 20er und 30er Jahren einige deutsche Bogenjäger, doch brach diese Bewegung durch den 2. Weltkrieg ab. In den späten 1970er Jahren entstanden Bogenvereine, die sich vorrangig dem Schiessen mit jagdlicher Ausrüstung widmeten. Die ersten Mutigen wagten sich auf Jagdreisen meist in die USA und Kanada. Sie brachten Erfahrungen und Informationen mit. Anfang der 90er Jahre kam es zur Gründung der Traditionellen Jagdbogenschützen Deutschland TJBD. Es wurden amerikanische Ausbilder und Bogenjäger eingeladen, um die Bowhunter Education abzuhalten. Die Übersetzung des amerikanischen Ausbildungshandbuches durch Max Christ, eigene Ausbilder, sowie der Wunsch der IBEP nach einer rechtsfähigen Organisation für alle Bogenjäger, machten die Gründung des Deutschen Bogenjagdverbandes DBJV e.V. notwendig. Engagierte Frauen und Männer arbeiten hier um die Bogenjagd voran zu bringen.

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